Alles zum Team von CS2 - der Webagentur Schweiz

Netzwochen-Interview mit dem CS2 CEO Dani Kalt.

„Wir sind Sparringpartner für unsere Kunden“ Nicht nur technische Entwicklungen, sondern auch die vermehrte Verlagerung von Unternehmensanwendungen ins Web verändern die Arbeit von Web-Agenturen. Dani Kalt, Mitbegründer und CEO der in Sissach beheimateten CS2, erläutert, weshalb er sein Unternehmen auch als Sparringpartner für die Auftraggeber sieht.

Was erwarten Kunden heute von einer Web-Agentur?
Dani Kalt: Kunden erwarten heute einen Sparringpartner und nicht einen klassischen Umsetzer. Sie suchen eine ehrliche Meinung, jemanden, der ihnen hilft. Der Kunde weiss ja meistens, was er will. Er kennt sein Business und braucht nun einen Online-Partner, der die Erfahrung aus dem Online-Business einbringt. In dieser Zusammenarbeit entstehen die besten Lösungen. Deshalb braucht es einen Sparringpartner. Ein wichtiger Punkt ist, dass online endlich auch in der Chefetage angekommen ist. Früher hat einfach die IT oder das Marketing etwas online gemacht. Das hat sich verändert.


Es geht also nicht mehr nur darum, Kundenwünsche auf technischer Ebene zu realisieren?
Die Ansprüche verlagern sich. Wir sind 1997 gestartet und damit eigentlich Urgesteine – zum Glück, wegen der Erfahrung, die wir mitbringen. Darauf kommt es an. Man steht immer vor irgendeiner Herausforderung, und dann kommt es auf die Erfahrung an, wie man etwas baut. Die Kunden brauchen diesen Sparringpartner, der ihnen hilft, aus der Erfahrung und den Best Practices heraus die gesuchte Lösung zu entwerfen. Und das möglichst ohne Nebengeräusche und Reibungsverluste und doppelt so hohen Kosten.


Der Sparringpartner ist also Feedback-Geber und muss gleichzeitig unrealistische Vorstellungen abwehren?
Wir mussten schon immer agil auf die Kunden reagieren – eigentlich machen wir schon seit 1997 Scrum, nur hatte das damals keinen Namen. Bei uns hat auch einmal eine Kehrtwende Platz, wenn man merkt, dass man etwas anders als geplant umsetzen muss. Wenn man mit dem Kunden nicht sofort das Ziel herausschälen kann, kann man zu „spielen“ beginnen und Gegenfragen zu stellen. Und dann muss man vor allem auch zuhören können. Dabei muss man spüren, was der Kunde zwischen den Zeilen erzählt. Und wenn der Kunde in den Mockups und ersten Layouts auf Papier seine Vorstellungen wiedererkennt, dann ist man der richtige Sparringpartner.


Wer ist heute auf Kundenseite in Web-Projekte involviert?
In grossen Firmen sind Web-Projekte ja meistens keine One-Man-Show. Heute arbeiten auf Kundenseite Profis, da muss man schnell spüren, auf welcher Flughöhe der andere reist, was er schon weiss und wo man ihm helfen kann. Man kann heute den Leuten nichts mehr vormachen. Wir gehen davon aus, dass E-Commerce, Web-Plattformen und CRM verschmelzen. Aber in Unternehmen herrscht immer noch Gärtchendenken. Dabei ist auch einer, der ein Web-Formular ausfüllt, ein Lead, ein potenzieller Kunde. Da müssen Firmen umdenken - sie wollen ja ein Geschäft machen. Je grösser die Firma, desto grösser sind diese Gärten, und desto deutlicher muss man zeigen, dass diese Gärten viel näher zusammenrücken müssen. Das Wissen der E-Commerce-Spezialisten ist wichtig für die Web-Spezialisten, und das ist wiederum wichtig für die, die fürs CRM zuständig sind. Heute läuft viel mehr online als früher.


Wie halten Sie als Agentur mit der Entwicklung Schritt?
Wir müssen darauf achten, dass wir das Know-how genauso schnell nachladen können, wie Sachen erfunden und entwickelt werden im Markt. Wichtig ist, dass man genug Zeit dafür hat. Wir sagen aber nicht, dass wir alle Bereiche abdecken können. Das Zukunftsmodell ist, sich auf gewisse Themen zu spezialisieren, und dort aber den Kunden wirklich kompetent zu beraten. Unsere Kunden lieben natürlich einen Generalunternehmer. Wir müssen aber auch im richtigen Moment sagen können, dass wir für dieses Thema einen externen Spezialisten hinzuziehen. Wir sind 45 Leute, damit können wir gar nicht die ganze Palette abdecken.


Wie ist denn das Umfeld, in dem Sie sich bewegen?
Die Konkurrenz aus dem Ausland wird grösser, deutsche Firmen drängen in den Schweizer Markt, das merken wir, und dementsprechend müssen wir leistungsfähig sein. Wir können nicht trödeln, sondern müssen auch an der Effizienz arbeiten. Diese Anpassungsfähigkeit wird heute erwartet.


Gerade bei Social-Media-Aktivitäten stellt sich die Frage nach der Messbarkeit. Wie sollen Kunden hier den Nutzen des eingesetzten Geldes messen?
Hier muss man den Firmen oft erklären, wovon man überhaupt spricht. Gerade bei Referenzprojekten wird oft nur auf dem Erfolg hingewiesen, ohne den Aufwand dahinter zu zeigen. Deshalb ist es KMUs oft gar nicht bewusst, welchen Preis sie hierfür bezahlen müssen. Für mich ist es deshalb wichtig, dem Kunden gegenüber ehrlich zu sein. Das hat uns 17 Jahre im Markt gehalten. Ich bin ja ursprünglich diplomierter Landwirt, und dabei habe ich gelernt, dass man den Franken zuerst verdienen muss, bevor man ihn ausgeben kann.


Wohin entwickelt sich der Markt für Web-Agenturen?
Responsive Design und Social Media sind keine Trends mehr, sondern die Regel. Aus unserer Sicht braucht es in Zukunft sportive Lösungen, die Investitionsschutz bieten. Firmen möchten auf fünf Jahre hinaus eine gute Lösung, die ausbaubar und flexibel ist. Responsive Design wird die Web-Agenturen sicher noch fordern aufgrund der vielen unterschiedlichen Geräte. Ein zentraler Trend sind Web-Applikationen. Firmen verlagern ihre Business-Logik ins Web. Cloud Computing und Software as a Service sind da die Stichworte. Dem Kunden eine Lösung mit Investitionsschutz zu bieten, die er in fünf Jahren komplett verändern kann, ohne wieder bei Null zu beginnen, das ist der springende Punkt.

 

Interview: Andreas Heer von der Netzwoche

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